Aktuell | Kindern Zukunft schenken
Jahresbericht 2023

Lesen Sie hier den aktuellen Jahresbericht 2023 zum Projekt | April 2024

Die Tageszentren - Oasen in der Wüste prekärer Familienverhältnisse

Symptomatisch für die momentane Situation in Mosambik waren die regionalen Wahlen im Oktober 2023. Die Ergebnisse wurden von der Opposition nicht anerkannt, sämtliche Regierungsgeschäfte waren für mehr als einen Monat blockiert. Auch die Korruption hat weiter zugenommen, die Ausweglosigkeit und fehlende Perspektiven bewirken vor allem bei jungen Menschen Resignation und die verstärkte Flucht in Alkohol und andere Drogen. Eine gefährliche Entwicklung in diesem Land, das zudem unter der Last rasant zunehmender Lebenskosten, Energiepreisen und hoher Arbeitslosigkeit, besonders der jungenMenschen, zu leiden hat.


Herausforderungen


Die allgemein angespannte Lage in Mosambik hat leider auch spürbare Auswirkungen auf die vier Tagesstätten. Denn die Folgen sind vor allem für die Familien, aus denen die Kinder in unseren Zentren kommen, besonders drastisch. Viele der Familien haben keine stabilen Strukturen mehr, vielfach haben die Väter die Familie verlassen, ursprünglich um Arbeit in Südafrika zu suchen, wobei viele nie mehr zurückkehren. In manchen Fällen lassen selbst die Mütter ihre Kinder zurück, die Großmütter müssen dann für die Kinder sorgen. Die meisten von ihnen sind jedoch heillos überlastet und haben große Mühe, die Kinder im Teenageralter zu betreuen und zumindest dafür zu sorgen, dass sie einen Schulabschluss schaffen und nicht schon davor aussteigen und arbeitslos auf der Straße landen.

In den Tagesstätten begannen mit Anfang des Jahres 337 Kinder, während des Jahres konnten weitere 71 Kinder aus schlimmsten Familienverhältnissen registriert und betreut werden, sodass insgesamt 408 Kinder in den Zentren versorgt und betreut werden konnten. Die anfangs beschriebenen schwierigen Lebensbedingungen zeigten sich leider auch im Projekt sehr drastisch. 49 Kinder, vor allem im Teenageralter, sind im Laufe des Jahres wieder ausgestiegen. Alle Bemühungen des Teams in den Tageszentren und der Erziehungsverantwortlichen blieben bei diesen Jugendlichen erfolglos.

„Es war sehr hart für uns, diese Jugendlichen ziehen lassen zu müssen, aber sie waren einfach nicht zu halten“, meint Schwester AnneRitha, die Projektleiterin derTagesstätten. „Wir wissen, dass sie noch Kinder sind, sie aber hatten das Gefühl, dass sie alt genug seien, um ihr Leben auf ihre Weise anzugehen. Umso wichtiger ist es für uns, gerade für die Herausforderungen, vor die uns unsere Teenager stellen, noch besser gerüstet und vorbereitet zu sein.“ Von den Kindern, die in denTageszentren betreut wurden und diese nicht verlassen haben, konnten nicht nur alle Kinder erfolgreich ihre jeweilige Schulstufe abschließen, auch alle Absolventinnen und Absolventen der Abschlussklassen konnten entweder in eine weiterführende Schule einsteigen oder verschiedene Berufskurzausbildungen absolvieren, die ihnen gute Chancen auf einen Job und ein Einkommen eröffnen. Das zeigt, wie wichtig es ist, dass die Kinder in den Tagesstätten gemeinsam mit den jeweils Erziehungsberechtigten schon von Anfang an gut aufgefangen und motiviert werden können.


Schulische Begleitung

Eine besondere Rolle neben der Versorgung der Kinder mit täglich zwei Mahlzeiten ist die schulische Betreuung und Unterstützung der Kinder. Dass alle Kinder im Zentrum ihre Abschlüsse geschafft haben, ist eine gute Basis, dennoch besteht auch hier noch viel Luft nach oben! Daher setzt dasTeam auch auf ein neues Unterrichtssystem, das „Offene Lernen“.

Mit dieser wesentlich flexibleren und individuell angepassten Lern- und Fördermethode kann den Bedürfnissen der Kinder nicht nur deutlich besser Rechnung getragen werden, sie ist auch viel motivierender für die Kinder selbst: Hier können sie großteils selbst ihr Lerntempo festlegen, sie können sich gegenseitig besser unterstützen, es ist viel ruhiger während der Förder- und Aufgabeneinheiten und das verwendete Lernmaterial ist wesentlich interessanter und macht den Kindern viel mehr Spaß. Schwester AnneRitha: „Wir sind hier zwar erst am Anfang, aber es zeigt sich schon, dass „Offenes Lernen“ den Kindern sehr viel mehr Spaß macht. Gleichzeitig ist unser Personal gefordert, sich in diesem Bereich fortzubilden und noch deutlich besser zu werden. Erfreulich ist, dass wir hier durch unsere Freiwilligen aus Österreich sehr professionell unterstützt werden. Das unerfreulich hohe Dropout vorwiegend der Teenager gibt besonders zu denken. Daher ist geplant, zukünftig auch wieder verstärkt im Netzwerk mit externen Organisationen zu arbeiten, die besonders viel Erfahrung in der Begleitung von Teenagern haben. Diese Zusammenarbeit ist sowohl für die Teenager im Zentrum selbst als auch für deren Erziehungsberechtigte sehr wichtig. Die Ohnmacht vieler Erziehungsverantwortlichen wird uns vor allem auch bei den vielen Familienbesuchen, die wir das ganze Jahr über machen, bewusst“, so Schwester AnneRitha. „Daher bin ich überzeugt, dass wir gerade hier im Besonderen ansetzen müssen.“

Gemeinsam macht stark


Gemeinsamkeit wird in den Zentren hoch gehalten. Dazu zählt nicht nur das täglich zweimalige gemeinsame Essen, auch der Austausch mit den„Madrinhas“, den Vertrauenspersonen, die sich die Kinder aussuchen dürfen, hilft in vielen Fällen, um gemeinsam Probleme zu lösen. Darüber hinaus engagieren sich die Kinder gemeinsam in kleinen Projekten, wie Enten- oder Hühnerzucht sowie beim gemeinsamen Gärtnern. Auch die Feierlichkeiten zu Weihnachten, Ostern, am Weltkindertag oder anlässlich der Geburtstage der Kinder genießen alle sehr, kennen doch viele von ihnen solche Festlichkeiten von zu Hause überhaupt nicht. So werden die Zentren für die Kinder eine Art Rettungsanker, um ein kindgerechtes Aufwachsen zumindest im Zentrum erleben zu können.


Amado, Marito und Rosa erhalten durch das Zentrum eine Chance

Amado und Marito sind Zwillinge, 8 Jahre alt. Sie kennen ihren Vater nicht, da er ihre Mutter verlassen hat, als sie schwanger war. Auch die ältere Schwester, zehn Jahre alt, hat ihren leiblichen Vater nie kennengelernt. Die Mutter ist allein auf sich gestellt und arbeitslos, sie lebt von Gelegenheitsjobs, geht ohne Pass nach Swasiland und riskiert immer wieder ihr Leben auf der Suche nach Nahrung für ihre Kinder.

Die Familie lebt in Miete in einem erbärmlichen Haus und weiß nicht, wie lange sie dort noch wohnen können, der Mieter droht immer wieder mit der Kündigung. Nachdem die Mutter das Zentrum um Hilfe gebeten hatte, stellte sich heraus, dass die Kinder völlig verwahrlost und noch nie in einer Schule waren, weil die Mutter in ihrem Kampf um Nahrung stets früh aufbrechen musste und immer erst spät in der Nacht zurückkehrte. Die drei Kinder waren somit großteils für sich selbst verantwortlich. Ein Schulbesuch war für alle drei unmöglich.

Anfangs waren alle drei sehr scheu und zurückgezogen. Doch innerhalb kurzer Zeit konnten sie sich gut integrieren und freuen sich besonders darüber, dass sie nun regelmäßig zur Schule gehen können und dass ihnen im Zentrum geholfen wird, ihre schulischen Defizite möglichst rasch aufzuholen.

HIGHLIGHTS & ZAHLEN 2023

408 Kinder und deren Erziehungverantwortlichen wurden im Laufe des Jahres in den 4 Tagesstätten Tete, Namaacha, Impaputo und Massacabetreut, unterstützt und begleitet.

100% der Kinder, die in den Zentren waren, haben den Aufstieg in die nächste Schulstufe oder einen Schulabschluss geschafft.


Schwester AnneRitha Buretta

Bericht: Schwester AnneRitha und Michael Zündel - April 2024

Ich möchte Ihnen an dieser Stelle von Herzen dafür danken, dass Sie auch nach Mariannes Tod dem Projekt „Kindern Zukunft schenken“ die Treue halten.

Ihre Spende gewährleistet, dass wir für die Kinder in den Tagesstätten auch weiterhin die Basis für ein Leben mit Zukunftsperspektiven schaffen können.

Michael Zündel